Marco van Duyvendijk & Xiaxiao Xu. Love Doll Factory

Die Form spiegelt den Inhalt. In Pergament eingewickelt, erreicht mich ein dünnes Büchlein aus den Niederlanden. Zugeklebt mit einem rosafarbigen PVC-Klebeband. Nimmt man das Buch heraus, hält man ein Softtouch-Cover in der Hand. Das ist eine Art Gummilaminierung, die für ein angenehmes Gefühl in der Hand sorgt. Auf dem Cover selbst ist ein abstraktes Knäuel aus merkwürdigen rosa Würmern abgebildet. Weiterlesen

Hatje Cantz auf Tour in Hamburg

Kurzmitteilung

Wie finden Bücher ihre Leser? Vielleicht auf diese Weise: Ein Verlag geht auf Tour. In coolem Ambiente in der Speicherstadt Hamburg wird der Kunstverlag Hatje Cantz für drei Tage einen sogenannten Showroom einrichten. Gute Gelegenheit, vom 14.-16. Mai 2013 in dem umfangreichen Buchangebot des Verlags zu stöbern und an exklusiven Veranstaltungen mit Künstlern, Fotografen, Architekten, Kuratoren und Kunsthistorikern teilzunehmen. Neben zahlreichen anderen Angeboten findet am 15. Mai um 19.30 Uhr ein Gespräch mit den Fotografen Andreas Gefeller und Hans-Christian Schink  statt, die über ihre Japan-Arbeiten sprechen. Während der drei Tage werden ausgewählte Arbeiten einzelner Künstler gezeigt. Besucher erhalten vor Ort 20% Preisnachlass auf die Collector’s Editions des Verlags. Vollständiges Programm und Adresse unter: http://www.hatjecantz.de/controller.php?cmd=news_detail&id=1181

Famose Künstlerbücher aus der Redfoxpress

Aus dem Buch: Francis van Maele. 1958.

 

1958 ist das Jahr, in dem die Weltausstellung in Brüssel mit ihren zukunfts-weisenden Visionen Millionen Menschen aus aller Herren Länder lockt. Der damals 11jährige Francis van Maele besitzt eine Kodak Brownie, mit der er auf den Parkplätzen rund um das Atomium herum streift und mit kindlichem Eifer die exotischen Autos ausländischer Besucher ablichtet. Ihn faszinieren die unbekannten Marken mit den fremdländischen Autoplaketten. Seine Bilder entstehen nach dem immer gleichen Kompositionsprinzip:  er richtet seinen Apparat  auf das Heck eines Autos, während im Hintergrund Teile der Stadtlandschaft  zu erkennen sind.

Viele Jahre danach gräbt der mittlerweile als Verleger tätige Francis van Maele  die vergessenen Fotos wieder aus und überlegt, wie eine geeignete Präsentationsform dafür aussehen könnte. Als eine Art Kladde kommt das kleine Büchlein daher: mit krakeliger Handschrift sind unter den sepiagefärbten Fotos die Herkunftsorte der Gefährte auf dem linierten Papier vermerkt. Nur eine der wunder-baren Kostbarkeiten von Redfoxpress, die ich gerade in der Buchhandlung im Haus der Photographie / Hamburg entdeckt habe! Weiterlesen

Gegen alle Hindernisse.
Ein Gespräch mit Pepa Hristova zur Entstehung ihres Buches “Sworn Virgins”.

Zwei Jahre sind vergangen, seit der erste Dummy entstand. Jetzt endlich soll das Buch „Sworn Virgins“ erscheinen. Ein überaus steiniger Weg liegt hinter der Fotografin Pepa Hristova. Viele Schwierigkeiten und Probleme hat sie meistern müssen, immer wieder Gespräche geführt, neue Entscheidungen getroffen und Korrekturen vorgenommen.
Gerade ist der Blindband gekommen, als wir uns unterhalten wollen. Die Fotografin ist nervös, denn dieser funktioniert noch nicht richtig. Es gibt Schwierigkeiten mit zwei unterschiedlichen Papierformaten. So können Druckstellen durch das Beschneiden entstehen. Was heißt das in seiner Konsequenz? Noch einmal eine neue Lösung finden? Noch einmal Geld reinstecken? Und führt das jetzt zu einer erneuten Verzögerung? Pepa Hristova ist eine Fotografin, die zweifelsohne hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Egal, ob in ihrer fotografischen Arbeit oder in der Verwertung derselben. Eine standardisierte Buchproduktion käme für sie wahrscheinlich nicht in Frage. Zumindest war das nie ihre Absicht für ihre „Sworn Virgins“, eine Serie, die eine besondere Konzeption benötigt. Das verlangt viel Kreativität und birgt ebenso zahlreiche Stolperfallen.

Buchcover “Sworn Virgins”

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Antonia Zennaro. Reeperbahn.

Coverfoto “Reeperbahn”

Udo Lindenberg singt: „Reeperbahn, du geile Meile.“ Und Tom Waits: “The memories are short but the tales are long when you’re in the Reeperbahn.” Immer noch ist die Reeperbahn ein mythisch aufgeladener Ort, an dem sich eine Vielzahl von Literaten, Musikern und –genau- Fotografen künstlerisch abarbeiten. So klingt mir just in diesem Moment ein Song der wunderbaren „Villagers“ entgegen, die von kleinen lustigen Fehlern im irdischen Design singen und ausgerechnet die Reeperbahn als Synonym benutzen. Weiterlesen

Books & Foam.
28. März bis 26. Mai in Amsterdam.

Peter Puklus. The Rainbow Library, 2011.

Ein Besuch im FOAM Amsterdam lohnt sich definitiv immer! Noch mehr ab Ende März, denn dann findet eine spezielle Veranstaltungsreihe zum Thema „Fotobuch“ statt. Natürlich ist die Feststellung, dass einige der besten Fotobücher in den Niederlanden entstanden sind, keine Neuigkeit. Die Gründe dafür wurden an dieser Stelle schon eingehend erörtert. Books & Foam werden in den nächsten zwei Monaten Beispiele gelungener Fotobücher in einer speziellen Präsentation vorstellen. Weiterlesen

Evelyn Richters Bücher im MDBK Leipzig

Das Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt vom 10. März bis 23. Juni 2013 eine Ausstellung, die drei zwischen 1973 und 1980 entstandenen Fotobücher von Evelyn Richter  in den Mittelpunkt stellt: “David Oistrach. Ein Arbeitsporträt” (Berlin 1973), “Paul Dessau. Aus Gesprächen” (Leipzig 1974) und “Entwicklungswunder Mensch” (1. Auflage Leipzig 1980). Nähere Informationen: www.mdbk.de

 

Interview mit Winfried Heininger, Kodoji Press

Wie in PHOTONEWS März 2013 angekündigt veröffentlichen wir hier das komplette Interview mit Winfried Heininger. “Another stylish design from Winfried Heininger“ meinte Martin Parr  über das neue Buch von Pietro Mattioli. In der Tat haben die Bücher aus Winfried Heiningers Kodoji-Verlag etwas gemeinsam:  sie sind ungewöhnlich bis sperrig, aber geschätzt. Wir sprachen mit dem Verleger und Gestalter.  

Denis Brudna: Du hattest bis 2007, dem Gründungsjahr von Deinem Kodoji-Verlag, schon viel mit Büchern und deren Verkauf zu tun, auch als Gründer und Mitinhaber von Schaden.com in Köln. Haben Dich die Erfahrungen nicht abschrecken können?

Winfried Heininger: Nein, eigentlich nicht. Weiterlesen

Neue Fotobuch-Workshops in Berlin

Die Gestalter Nadine Nelken und Grischa Meyer, beide auch bekannt als Dozenten der Ostkreuzschule, bieten ab März die Workshops DRUCKSACHEN in Berlin an. Im Mittelpunkt steht die Planung und Gestaltung von Fotobüchern. Als Motto wählten sie ein Zitat des niederländischen Typografen und Buchgestalters Huib van Krimpen: “Wer mit der Absicht an die Arbeit geht, ein schönes Buch zu machen, geht von einem falschen Ausgangspunkt zu einem falschen Ziel. Vielmehr sollte er darum bemüht sein, ein Buch gut zu machen. Wenn ihm das gelingt (was gar nicht sicher ist!), könnte sich herausstellen, dass er zugleich ein schönes Buch gemacht hat.” Nähere Informationen unter www.agathesbooks.de

Fanpost 7

Heute eine Empfehlung von Damian Zimmermann – Fotograf, Journalist, Blogger. Seine lesenswerten Texte erscheinen u.a. regelmäßig  in PHOTONEWS, Kölner Stadt-Anzeiger, taz sowie im eigenen Blog. Mit Nadine Preiß hat der  Fotograf zuletzt das Großprojekt „Paare – Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ durchgeführt. Ein Jahr sind die beiden dazu in Deutschland umher gereist, um Paare abzulichten. Eine typologische Arbeit, die eine Hommage an eine in den 70er Jahren schon einmal initiierte Serie von Beate und Heinz Rose darstellt. Weitere Infos: www.damianzimmermann.de  und www.paareprojekt.de

Michael Marten: Sea Change. A Tidal Journey Around Britain.

Michael Marten: Sea Change (Cover)

Gestalterisch ist „Sea Change“ nichts Besonderes: Das Standard-Hardcover ohne Schutzumschlag wirkt etwas lieblos, das weiße Vorsatzpapier ist eigentlich eine ideenlose Frechheit und das Layout mit den roten Himmelsrichtungsangaben scheint wie aus einer Schülerzeitung. Weiterlesen

ViennaPhotoBookFestival 2013.

Jetzt also auch Wien. Soeben ist der Book Salon im Düsseldorfer NRW-Forum zu Ende gegangen, da kündigt sich schon die nächste Großveranstaltung an, die ausschließlich dem Fotobuch gewidmet ist. Am 8./9. Juni 2013 findet auf dem Gelände der ehemaligen Ankerbrotfabrik das  erste ViennaPhotoBookFestival statt. Dieses entsteht als Kooperation zwischen der AnzenbergerGallery und der OstLicht Galerie für Fotografie. Weiterlesen

Kenneth Gustavsson. The Magic Bar

Die Bar liegt gegenüber. Ich bin unschlüssig: Soll ich, soll ich nicht? Auch wenn ich nicht länger hier rumlungern will, irgendetwas hält mich. Da ist dieses merkwürdige Versprechen, das über der Tür prangt. Nicht das auf Alkohol, sondern jenes  beschreibende Attribut im Namen, das meine Neugierde hervorruft: MAGIC. Düster und unwirklich  ist die Fassade. Niemand, wirklich niemand, der rein oder raus geht. Die Scheiben gleichen mächtigen getönten Brillengläsern, die das Dahinter verbergen. Was einen dort erwartet? Ob all jene, die draußen nirgendwo anzutreffen sind, zusammen gepfercht an der Theke sitzen, Drinks nehmen, sich mit ihrem Nachbarn unterhalten, eben all jene Dinge tun, die man in Kneipen tut? Wenn die Fenster Augengläsern gleichen, dann ist der Eingang ein dunkler Schlund, der jeden schluckt, der sich ihm nähert. Ich kann nicht anders. Die Bar zieht mich magisch (!) an, ich überquere die Straße und dann bin ich drin.

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Rena Effendi. Land ohne festen Boden

Mit seinem roten Kunststoffumschlag gaukelt das kleinformatige Buch irgendwas zwischen Mao-Bibel, Lehrbuch und privatem Fotoalbum vor. Ein Schmetterling ist auf der Front eingeprägt, dazu Name und Titel. In Gold. Das Vorsatzpapier besteht aus ornamentalen Mustern, genaueres Hinsehen identifiziert diese als Reihungen weiterer Schmetterlinge. Das mag ein wenig zu viel des Guten sein, verweist aber auf den Inhalt: In der Tat findet man in dem Buch immer wieder Bilder von Schmetterlingen. Mein liebster Schmetterling ist jener mit grün-weißer Färbung, der uns aus der Dunkelheit ins Licht entgegen schwebt. Aber dann ist es gar kein Schmetterling, sondern ein kleines Mädchen, das aus der Tiefe des Raumes kommt. Der halb entblößte Körper ist über und über mir grünen Farbschlieren bedeckt. Eine Creme gegen Windpocken, wie man aus dem Titel kombinieren kann. Weiterlesen

Johan Willner. Boy Stories.

Den blå bilden/ The Blue Picture 2006

Eine türkisschimmernde Fläche, zerschnitten von einer Garderobenleiste. Das Intro zu Johan Willners Buch lässt den Betrachter dicht vor einer Wand verharren, von der die eigenen Erinnerungsechos hart auf ihn zurückprasseln. Die Wand gehört zu einer Umkleidekabine. Diese wird noch einmal im Abschlussbild auftauchen. Dort wird  eine umfassendere Perspektive in die Tiefe des leeren Raums gewährt. Auf einer Bank ein vergessenes Handtuch, auf dem glänzenden Boden liegen achtlos weggeworfene Bonbonpapiere. Willner schafft kinematographische Bilder, deren Inhalte einem exakten Drehbuch folgen. Dessen Schreiber ist die Erinnerung. Weiterlesen