Fanpost 7

Heute eine Empfehlung von Damian Zimmermann – Fotograf, Journalist, Blogger. Seine lesenswerten Texte erscheinen u.a. regelmäßig  in PHOTONEWS, Kölner Stadt-Anzeiger, taz sowie im eigenen Blog. Mit Nadine Preiß hat der  Fotograf zuletzt das Großprojekt „Paare – Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ durchgeführt. Ein Jahr sind die beiden dazu in Deutschland umher gereist, um Paare abzulichten. Eine typologische Arbeit, die eine Hommage an eine in den 70er Jahren schon einmal initiierte Serie von Beate und Heinz Rose darstellt. Weitere Infos: www.damianzimmermann.de  und www.paareprojekt.de

Michael Marten: Sea Change. A Tidal Journey Around Britain.

Michael Marten: Sea Change (Cover)

Gestalterisch ist „Sea Change“ nichts Besonderes: Das Standard-Hardcover ohne Schutzumschlag wirkt etwas lieblos, das weiße Vorsatzpapier ist eigentlich eine ideenlose Frechheit und das Layout mit den roten Himmelsrichtungsangaben scheint wie aus einer Schülerzeitung. Trotzdem ist „Sea Change“ mein aktuelles Lieblingsbuch – weil es viel über das Wesen und die Möglichkeiten der Fotografie verrät. Und gleichzeitig eignet sich das Medium Fotobuch hier hervorragend zur Präsentation dieses vergleichenden Langzeitprojekts.

Neun Jahre lang bereiste der Londoner Michael Marten die britische Küste und fotografierte sie mit seiner Fachkamera -  jeweils einmal bei Hoch- und einmal bei Niedrigwasser. Die Fotos werden direkt nebeneinander präsentiert und obwohl ich weiß, dass es immer der gleiche Ort und immer die gleiche Perspektive mit dem gleichen Ausschnitt ist, will ich auch nach einem halben Jahr manchmal  meinen Augen noch nicht trauen: Innerhalb von nur wenigen Stunden hat sich die Landschaft extrem verändert. Das liegt natürlich in erster Linie am Meeresspiegel selbst, denn der Tidenhub kann an der britischen Küste bis zu 15 Meter betragen. Zum Vergleich: im Mittelmeer und an der Ostsee beträgt der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser 10 bis 30 Zentimeter. Aber es liegt auch am sich verändernden Wetter mit seinen Lichtverhältnissen. Das klingt nach einer Banalität, aber es beweist dennoch aufs Deutlichste, dass eine konstant wirkende Umwelt natürlichen Veränderungen unterlegen ist. Für mich hat „Sea Change“ deshalb die Tiefe von Zen und die Leichtigkeit eines Haikus. (Damian Zimmermann)

Michael Marten: Sea Change. A Tidal Journey Around Britain. Kehrer Verlag. Heidelberg 2012. ISBN 978-3-86828-311-2. 126 Seiten, 115 Farbfotos, Hc.,  40,- €.

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