Interview mit Winfried Heininger, Kodoji Press

Wie in PHOTONEWS März 2013 angekündigt veröffentlichen wir hier das komplette Interview mit Winfried Heininger. “Another stylish design from Winfried Heininger“ meinte Martin Parr  über das neue Buch von Pietro Mattioli. In der Tat haben die Bücher aus Winfried Heiningers Kodoji-Verlag etwas gemeinsam:  sie sind ungewöhnlich bis sperrig, aber geschätzt. Wir sprachen mit dem Verleger und Gestalter.  

Denis Brudna: Du hattest bis 2007, dem Gründungsjahr von Deinem Kodoji-Verlag, schon viel mit Büchern und deren Verkauf zu tun, auch als Gründer und Mitinhaber von Schaden.com in Köln. Haben Dich die Erfahrungen nicht abschrecken können?

Winfried Heininger: Nein, eigentlich nicht. Von Haus aus war und bin ich ja Gestalter und habe mich neben den Büchern immer mit ­anderen Themen beschäftigt, wie Grafik-Design, Mode und Interior-Design. Hätte ich mich nur Büchern gewidmet, wäre das sicherlich etwas anderes gewesen, aber so konnte ich mir immer die Rolle eines Beobachters bewahren. Als wir 1998/99 Schaden.com gründeten, war der Buchmarkt noch sehr traditionell unterwegs, eher ge­mäch­lich und konventionell. Das hat sich dann ab Anfang/Mitte 2000 langsam verändert. Die Gründung von Kodoji Press war und ist eher als Reaktion auf diese Veränderungen zu verstehen – der Versuch, Antworten auf neue Bedingungen zu finden. Für mich sind Erfahrungen immer Grundlage für Neuanfänge und Neuausrichtungen. Der Mensch an sich möchte ja eigentlich immer alles so bewahren, wie es ist – bitte nur keine Veränderungen – aber aus tiefgefrorenen Zuständen ergeben sich nun mal keine Neuerungen.

Winfried Heininger

Du hast vor einiger Zeit in einem Gespräch gesagt, dass mit den Büchern junger, unbekannter Fotografen kein Geld zu machen ist. Hat sich an der Situation inzwischen etwas geändert?

Grundsätzlich ist es eher schwierig, mit den Publikationen junger, unbekannter Künstler Gewinne zu erzielen. Der Aufwand, die Bücher an die Plätze zu bekommen, die wichtig für die Repräsentation und den Verkauf sind, ist enorm und es braucht ein hohes Maß an Leidenschaft, um diese Aufgabe konsequent zu verfolgen. Ich glaube, das wird allgemein unterschätzt, auch von den Künstlern. Die sehen vielleicht nur: „Ahhh … mein Buch ist ausverkauft!“ Sie wissen aber häufig nicht, was es dazu bedarf. Ich meine, zu guter Letzt hat jeder Verlag oder jedes Verlagsprojekt so seine eigenen Ideen der Umsetzung und bei manchen ist der Vertrieb auch nicht wirklich das vordergründigste Ziel.

Müssen Dir die einzelnen Buchprojekte persönlich gefallen oder realisierst Du auch Bücher, die Du allgemein für wichtig hältst?

Neben dem Kriterium, dass Buchprojekte mir persönlich gefallen sollten, gibt es natürlich noch weitere Beweggründe, Bücher zu realisieren. Da hat jedes Buchprojekt seine eigenen Kriterien.  Wichtig ist, dass man sich treu bleibt und sich dem Buchinteressierten ein entsprechend programmatisches Bild vermitteln lässt.

Ich denke, am Schluss geht es immer darum, ob man selbst einen Zugang zu der Arbeit des Künstlers hat oder nicht. Ohne die Antizipation der künstlerischen Arbeit ist eine Umsetzung oder Transformierung dieser in eine Publikation, so wie ich sie mache, nicht möglich. Lose zusammengefasst heißt das für mich: Zuerst der Versuch der Wahrnehmung und über die inhaltliche Auseinandersetzung zur Umsetzung.

Du sagst, dass Du jungen Autoren eine Chance bieten möchtest. Spielt da ihre Foto-Markt-Kompatibilität eine Rolle oder suchst Du die einzelnen Projekte ganz subjektiv aus?

Nein, über Markt-Kompatibilität mache ich mir bei der Auswahl eines Autors keine Gedanken. Ich glaube, das wäre der falsche Weg und würde sich in einem zu diversen Programm niederschlagen. Bei sogenannten großen Verlagen muss man da sicher schon andere Kriterien anlegen. Bei mir erwartet der Interessent etwas über Markt-Kompatibilität hinaus, einen kuratorischen und künstlerischen Standpunkt, Publikationen und Themen die Fragen aufwerfen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Die kann man schön finden, mit denen kann man hadern und sie können im besten Fall Anlass zum Nachdenken geben.

Dein Credo lautet, dass Kodoji Press nicht kommerziell sein soll. Dennoch entstehen bei der Produktion und bei dem Eigenvertrieb Kosten, die gedeckt werden müssen. Wie finanzieren sich die einzelnen Buchprojekte?

Das ist auch wiederum ganz unterschiedlich. Meist aber muss das Geld für die Produktion einer Publikation vorher durch vielfältige Weise gefunden werden. In kleineren Ländern wie Holland und in der Schweiz gibt es Stiftungen, die Produktionen einzelner Projekte unterstützen. Manchmal gibt es Beteiligungen von Galerien, Museen und privaten Ausstellungsorten. Schluss­endlich existiert die Möglichkeit, einzelne Projekte über Crowdfunding zu lancieren sowie Spezial-Editionen im voraus zu verkaufen, auch das ist ein äußerst erfolgreiches Modell. Immer gilt, dass man bereits über ein gutes Netzwerk von interessierten Unterstützern verfügen muss.

Wie läuft die Auswahl praktisch ab? Recherchierst Du selbst in der Fotoszene nach interessanten Projekten oder kommen Fotografen auf Dich zu und bieten ihre Serien an?

Das Ganze wächst eigentlich sehr homogen. Es ist wie eine kleine Familie. Ich bin viel unterwegs und  so in der Lage, eine Menge Arbeiten junger Künstler zu sehen. Es gibt weltweite Cluster, in denen man sich bewegt, und dann hat man doch sehr schnell Kontakt zu interessantesten Menschen. Meist gehe ich auf die Künstler zu oder Künstler, mit denen ich schon arbeite empfehlen mir Kollegen. Des Weiteren gibt es regen Austausch mit Kuratoren, Sammlern und natürlich auch Galeristen.

Wie viele gute Bilder muss ein Fotograf haben, damit es relevant ist, über eine Publikation nachzudenken?

Darauf kann ich nur Hans-Peter Feldmanns Künstlerbücher der 60er und 70er Jahre zitieren. Da gab es ein Büchlein mit einem Bild, eines mit vieren, fünfen und so weiter. Die Anzahl an sich spielt keine Rolle. Die Arbeit und deren Intention machen am Ende die Menge der Abbildungen aus, die es braucht, um eine Arbeit angemessen zu repräsentieren.

Wir leben in Zeiten, in denen jeder Fotograf ein Buch machen möchte. Erleben wir gerade eine sich bildende Blase oder ist das Fotobuch ein Zeichen für die Emanzipation der Fotografen, die nicht darauf warten wollen, entdeckt zu werden und die Öffentlichkeit über das Medium Buch erreichen möchten?

Puuuh … schwer zu sagen. Ich glaube schon, dass wir uns inmitten einer großen Blase befinden. Mal sehen, wann die platzt. Wahrscheinlich erst dann, wenn alle, die aus spekulativen Gründen Foto­bücher sammeln, gleichzeitig ihre Bücher verkaufen wollen.

Aber nun mal ernsthaft: Da heute fast jeder sein illustriertes Buch selber herstellen kann, geht es durchaus demokratischer zu. Die Vielzahl der Publikationen ist sicherlich auch der wachsenden Zahl der Fotografen und Künstler geschuldet und dem  daraus resultierenden Mangel an Ausstellungsmöglichkeiten.

Für mich ist aber der emanzipatorische Aspekt folgender, dass das Buch heute für den Künstler nochmals ganz andere Möglichkeiten der Herangehensweise bietet und neue Erfahrungen durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit der eigenen künstlerische Arbeit ermöglicht. Vielfach schafft ein gutes Buch ein neues Bewusstsein und bietet zu guter Letzt auch noch die Möglichkeit der Definition der eigenen Arbeit. Diese Wechselwirkung, von Buchseite zur Betrachtung der Arbeit im Raum, ist nicht zu unterschätzen.

Wie behältst Du bei der ständig wachsenden Fülle von neuen Publikationen den Überblick?

Das ist wirklich kaum möglich. Gerade bei kleineren Auflagen ist es schwer, den Über­blick zu behalten. Meist werde ich aber von Freunden, Künstlern und Kollegen über interessante Publikationen unterrichtet. Zum Glück tauschen wir uns alle untereinander aus.

Laut früherer Äußerungen verstehst Du die bei Kodoji Press verlegten Bücher als Gesamtkunstwerke, bei denen Fotografien, Design, Papier und Haptik aufeinander abgestimmt werden sollen. Inwieweit akzeptierst Du Dir vom Fotografen vorgelegte gestalterische Konzepte?

Gesamtkunstwerk ist mir etwas zu hoch gegriffen. Ich möchte gerne zusammen mit einem Künstler ein Buch entwickeln, das der Intention und dem Inhalt seiner Arbeit entspricht. Das heißt auch, dass sich der Künstler zuerst einmal mir ­gegenüber in dieser Richtung präzisieren muss. Am Ende soll ein Objekt entstehen, welches einer natürlichen Formfindung entspricht. Eine Interaktion zwischen einer starken Arbeit und einer klaren Vision, was das Buch am Ende darstellen soll. Form follows content!

Sollte dieses Vorgehen deckungsgleich mit dem Vorgehen eines vorgelegten Konzeptes sein, dann steht einer Akzeptanz eigentlich nichts mehr im Wege.

Pietro Mattioli. Two Thousand Light Years from Home

Ein aktuelles Beispiel aus dem Kodoji-Verlag ist das Buch „Two Thousand Light Years from Home“ von Pietro Mattioli. Was hat Dich konkret bewogen, dieses Projekt als Buch zu produzieren?

Als Pietro vor Jahren diese Arbeit in Zürich ausstellte, entschieden wir uns gemeinsam, ein Buch daraus zu machen. Ich schätze Pietro als Person und Künstler sehr und darum ist in diesem Fall die Frage des Beweggrundes nicht so eindeutig zu beantworten. Die Arbeit in sich fand ich sehr kohärent und deren Entstehungsgeschichte war schlussendlich der Auslöser. „Two Thousand Light Years from Home“ entstand in einer Zeit, als Pietro nur nachts in der Reichweite des Babyphones arbeiten konnte. Was konnte er anderes tun, als in der unmittelbaren Umgebung seines Wohnquartiers zu ­flanieren und deren alltäglichen Absurditäten festzuhalten? Die Foto­grafien zeigen kein großes Spektakel. Seine Trouvaillen, freigestellt mit einem Blitz, stehen inmitten der schwarzen Nacht und bleiben dennoch eingebettet in ihrer direkten Umgebung.

Allerdings ist für mich auch immer ein wichtiges Kriterium, dass eine einzelne Arbeit eingebettet ist in einen künstlerischen Denkansatz. Was mich also grundsätzlich an Pietros künstlerischen Arbeit interessiert, ist, dass er immer ein stiller ­Beobachter und Archivar seiner Interessen und Umgebungen ist, ob als junger Porträtist der Züricher Punk-, New-Wave- und Kunstszene, oder als Dokumentarist der Protest-Graffitis der 80er Jahre in Zürich, bis hin zu der Frage, welche Nachbilder die Moderne erzeugt.

Du betonst, dass Dir neben dem Inhalt auch das Design, die Typographie, das verwendete Papier des Buches sehr wichtig sind. Wenn wir das Mattioli Buch betrachten, was waren hier die wesentlichen Kriterien?

Zuallererst war die Idee, ein höheres Volumen zu kreieren. Wir suchten nach einem gestrichenen Papier, welches einen ungestrichenen Touch vermittelt. Dazu sollte das Buch nicht endbeschnitten und die halbverschlossenen Seiten der Druckbögen noch mit einer Sonderfarbe versehen werden. Zusätzlich bat ich die Buchbinderei nach 3 Bögen die Faltrichtung zu ändern, so dass die Öffnungen der unbeschnittenen Seiten sich einmal oben und dann wieder unten befindet. Das Ganze sollte dazu dienen, den Betrachter in seiner Aufmerksamkeit zu verlangsamen. Da Pietros wesentliches Interesse der Moderne gilt, war es für mich naheliegend, diesem in Typographie und Gestaltung nachzukommen. Alle fotografischen Abbildungen wurden im Offset gedruckt, die Textseiten und der Umschlag im Buchdruck. Das Umschlagsmaterial ist durch seine handgeschöpfte Struktur als Reminiszenz zu verstehen und wird durch den Buchdruck noch haptischer. Am einfachsten, man nimmt das Buch einmal selbst in die Hand und lässt sich überraschen, was passiert!

Wie gehst Du bei dem Vertrieb der Bücher vor, wenn sie nicht über Grosso oder durch Amazon vertrieben werden?

Da muss ich nochmals zurückkehren auf die Gründungszeit von Schaden.com. Allein das ange­häng­te ‘.com’ im Namen war dazumal eine Trotzreaktion auf Amazon.com, die  schon dick im Geschäft waren. Man konnte absehen, dass sich dieses Geschäftsfeld noch unglaublich entwickeln würde. Eigentlich freue ich mich meist sehr, wenn eine Marktkonzentration stattfindet, denn das macht wiederum viel Platz frei für neue Ideen und erlaubt den kleinen Fischen, sich freier und flinker zu bewegen. Bis heute mache ich meinen Vertrieb ganz bewusst selbst. Ich hatte schon von vielen Distributionen Anfragen und ich schließe auch eine zukünftige Zusammenarbeit nicht aus, aber bei den Büchern die ich bis heute mache, ist es vielleicht besser und einfacher, wenn ich die Buchhändler weltweit selber beliefere. Ich versuche das mal zu erklären: In den großen Vertrieben endet 1 Titel in einem Katalog unter 2.000 anderen, beschrieben mit einer s/w Seite plus einer Abbildung des Covers. Wie um Gottes Willen soll der Buchhändler genau diesen Titel nun finden und auswählen? Ich glaube, die Idee des Vertriebs wird sich in der nahen Zukunft nochmals grundlegend verändern müssen. Auslieferungen hingegen wären für meinen Bedarf eher sinnvoll. Da ich mich aber nicht nur auf ein Land konzentriere und in diesem meinen Hauptumsatz generiere, wäre der Umgang mit vielen Partnern in diversen Länder für mich als Mini-Verlagsprojekt administrativ nicht zu lösen. Was ich damit auch sagen möchte, ist, dass es weltweit nicht mehr allzu viele Buchhändler gibt, die sich auf Kunst und Fotografie spezialisiert haben. Vielleicht schaffe ich es ja, all diese zu bedienen, aber natürlich stoße ich dabei auch an meine Grenzen. Ich glaube es gibt keine Nonplusultra Lösung. Das A und O sind bis jetzt nach wie vor Erfahrung, eine gute Adressdatenbank und viele persönliche Kontakte.

Ist für Dein Verlagsprogramm die ISBN-Nummer überhaupt noch wichtig?

Das ist eine gute Frage. Bis jetzt habe ich die ISBN-Nummer nie in Frage gestellt. Ich glaube, sie ist auf jeden Fall länderspezifisch sehr wichtig. Sie schadet nicht – im Gegenteil – sie hilft den Buchläden und Bibliotheken bei der Suche, Pflege und Verwaltung der Daten und das am Ende auch weltweit. Vielleicht ist die ISBN-Nummer für die Museumsbuchhandlung in Mexico City nicht wirklich wichtig, um eine Bestellung an Kodoji Press auszulösen, aber z. B. für die Buchhandlung Walther König ist es weiterhin ein sehr wichtiges Instrument, sich einen Weg durch die Wirrungen der Neuerscheinungen zu bahnen.

Ist das Internet mit all seinen Foren und Blogs eine Vertriebsalternative für fotografische Bücher?

Auf jeden Fall sind die Möglichkeiten durch den regen Austausch größer geworden. Die Blogger werden immer wichtiger. Nur die Top-Listen am Ende eines Jahres sollte man wirklich abschaffen. Man kann vermehrt feststellen, dass Bücher und deren Inhalte nicht mehr nach eigenen Interessen gekauft werden, sondern nach  Listen. Kunden verschmähen ein Buch und sobald es in einer Liste erscheint, wird es dann doch gekauft. Vielleicht ist das nur allzu menschlich, aber ich würde mir wirklich wünschen, dass die Käufer sich wieder eher auf ihre eigenen Wünsche, Instinkte und Interessen verlassen.

Wonach bestimmst Du die Auflagenhöhe der einzelnen Bücher?

Dazu gibt es keine pauschale Antwort. Jedes Projekt hat seine eigenen Kriterien. Mal bestimmt das Budget die Auflage, mal das Projekt oder die künstlerische Arbeit selbst. Ein Zeitungsprojekt wie ‘The Daily Exhaustion’ von Anouk Kruithof kann in einer 5.000er Auflage erscheinen, weil es einen hohen Verbreitungsgrad erreichen sollte. Wir haben die Publikation für nur 5,– Euro verkauft und Anouk hatte sich erbeten, dass das Publikum in ihren Ausstellungen die Publikation kostenfrei von einem Stapel mitnehmen konnte. Die Publikation war also von Beginn an auch als Teil ihrer künstlerischen Arbeit gedacht.

Wie stehst Du zu der Möglichkeit, Bücher als e-Books oder APPs im Internet zu verkaufen? Gibt es da einen Markt, der auch gewisse Umsätze generiert?

Ich bin grundsätzlich sehr dafür. Als das erste iPad herauskam, haben wir dazu an der Hochschule in Lausanne im Master Art Direction einen Workshop veranstaltet. Die Studenten entwickelten damals schon wirklich interessante Ideen, obwohl sie überhaupt nicht an die Zukunft des i-Pads glaubten und sich regelrecht der Idee versperrten. Auch damals ging es mir immer darum, sich der Vielfältigkeit des Mediums nicht zu verschließen, sondern zu öffnen. Es geht um die Integration von bewegten Bildern, Audio und der Vernetzung des WWW. Allerdings glaube ich im Kunst- und Fotografiebuchsektor nicht daran, dass man einfach ein PDF erstellen kann und sich daraus tolle Umsätze generieren lassen. Woran ich hingegen glaube, ist, dass man durchaus kommerziell erfolgreich sein kann, wenn man die Möglichkeiten des Mediums ausschöpft und das e-Book oder APP als Erweiterung zur Herausgabe des klassischen Buches sieht. Das heißt aber auch, dass man für die Produktion der APPs wiederum ein Budget einplanen muss.

Meine Frage wäre eher, warum entdecken die Museen eigentlich nicht vermehrt die Möglichkeiten der APPs als Ausstellungsguide? Mit einer APP lassen sich doch die Informationen zu der Person eines Künstlers und seiner Werke vielfältiger vermitteln. Das Ganze könnte dann noch mit einer integrierten digitalen Publikation ausgestattet sein.

Künstler- und Fotobücher, die in kleinen und Kleinstauflagen produziert werden, sind ein Teil des explodierenden Fotobuchmarktes. Es gibt hierfür inzwischen international einige spezialisierte Messen. Kannst Du dir vorstellen, dass es irgendwann mutige Enthusiasten geben wird, die neue Vor-Ort-Buchläden gründen, in denen man all diese von Alternativverlagen produzierten Bücher sehen und kaufen kann?

Es gibt sie schon, diese mutigen Enthusiasten. Eine immer größer werdende Anzahl junger Kunstinteressierter eröffnet neue Buchhandlungen und das weltweit. Es gibt Beispiele in New York, Amsterdam, Brüssel, Berlin, Melbourne, Mailand, Los  Angeles,  um hier nur einige zu nennen. Warten wir ab, was daraus entsteht. Ich glaube schon an die Ernsthaftigkeit der Bestrebung, aber meist wird der Aufwand unter- und die Erwartung an das Resultat überschätzt. Vielfach verfolgen diese Projekte aber auch keinen kommerziellen Zweck, sondern bieten eine Plattform für Präsentationen und Diskurse. Ansonsten habe ich den Eindruck, dass das Phänomen der wachsenden Zahl der Künstler- und Fotobuchmessen eher einem gesellschaftlichen Eventgedanken folgt, anstatt Ersatz für die verschwundenen Buchhandlungen zu bieten.

Kann man pauschal sagen, wie lange es dauert, bis eine Auflage von, sagen wir, 500 Büchern über die von Dir genutzten Kanäle verkauft sind?

Das kann ich pauschal wirklich nicht beantworten. Manchmal in 2 Monaten, in 6 oder in 12 Monaten. Das hängt ein wenig vom Thema der Arbeit ab, von vielleicht laufenden Ausstellungen des Künstlers, Besprechungen in Magazinen, Zeitungen und Blogs.

Wie werden die Kodoji-Bücher gedruckt? Im Offset oder auch im Digital-Druck?

Eigentlich werden die meisten Bücher im Bogen- oder Rollenoffset gedruckt. Es gibt aber auch Ausnahmen wie z. B. ‘Oil ‘und ‘Dictators’ von Peter Tillessen oder ‘Omoide Poroporo’ von David Favrod, die auf Xeroxdruckern hergestellt wurden.

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