Marco van Duyvendijk & Xiaxiao Xu. Love Doll Factory

Die Form spiegelt den Inhalt. In Pergament eingewickelt, erreicht mich ein dünnes Büchlein aus den Niederlanden. Zugeklebt mit einem rosafarbigen PVC-Klebeband. Nimmt man das Buch heraus, hält man ein Softtouch-Cover in der Hand. Das ist eine Art Gummilaminierung, die für ein angenehmes Gefühl in der Hand sorgt. Auf dem Cover selbst ist ein abstraktes Knäuel aus merkwürdigen rosa Würmern abgebildet.

Die Würmer entpuppen sich als abgewinkelte Arme und gespreizte Beine aufblasbarer Gummiobjekte.

Marco van Duyvendijk hat es in der letzten Zeit immer wieder nach Asien gezogen. Davon zeugte zuletzt das wunderbare “Watch the Weather Change“, ein in Eigenregie produziertes Buch, in dem er Stadtszenen, Porträts, Stillleben und Naturaufnahmen plus Textelemente zu einer assoziativen Erzählung zusammenfügte. Auch bei “ Love Doll Factory” handelt es sich um ein selbstpubliziertes Buch, das durch die Gestaltung und kleine feine Details besticht (Papier, genähte Seiten mit einem rosa Faden u.a.). Vor allem zwei Unterschiede zum Vorgänger sind zu bemerken. Dieses Mal bleibt Marco van Duyvendijk erzählerisch einem Thema verhaftet und er geht ökonomischer mit seinen Fotos um. Der andere Punkt: es ist eine Kooperation mit der chinesischen Fotografin Xiaoxiao Xu, die seit vielen Jahren in den Niederlanden lebt. Das Fotografenduo hat 2012 die kleine Ya Mei Fabrik in der chinesischen Provinz Zhejiang aufgesucht, die Plastikartikel herstellt.

Und zwar aufblasbare Gummipuppen, lebensgroße Modelle, die -lassen wir die Wikipedia-Definition zu Wort kommen- als Sexhilfen im Bereich der Selbstbefriedigung benutzt werden. Die beiden Fotografen brechen das abgründige Thema auf eine nüchterne und dadurch zuweilen sehr komische Ebene der Fertigung herunter. So  zeigen sie die benötigten Maschinen und Werkzeuge, Schablonen und Füllmaterial. Mal sieht man leere Arbeitsplätze, an einer anderen Stelle Arbeiterinnen, die damit beschäftigt sind, Brustwarzen auf Gummihütchen wie Kirschen auf einem Törtchen anzubringen. In der Mitte des Buches blickt  man in einen Raum, in dessen Ecke zahlreiche aufgeblasene Körper liegen. Hier scheint eine Art Qualitätskontrolle stattzufinden, um zu testen, ob die Puppen luftdicht sind, bevor sie in bereitgestellte Kisten verpackt und an den Handel und von dort an den Konsumenten ausgeliefert werden. Ein hoher Berg von Gummileibern – das ist absurd und beklemmend zugleich.

Gerade mal 20 Fotos benötigen die beiden Fotografen, um  eine subtile Erzählung zu erschaffen, die die Reaktion des Betrachters herausfordert. Marco van Duyvendijk möchte nach eigenem Bekunden weiterhin mit diesem 32-Seiten-Format experimentieren und eine kleine Buchserie mit 1-2 Titeln pro Jahr schaffen. “Love Doll Factory” ist ein verheißungsvoller Auftakt geworden! (Peter Lindhorst)

Marco van Duyvendijk & Xiaxiao Xu. Love Doll Factory. Verlag Marco van Duyvendijk. Rotterdam 2013. ISBN 9789081338547. 32 S. mit 20, teils doppels. Farbtaf.  Pb.  € 17,00 (plus Versandkosten)

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