Schönheit im größten Wahnsinn.

Ein Gespräch mit dem Fotografen Gerald von Foris, der eigentlich nicht reden will und es dann zum Glück doch tut.

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Da ist er, der erste schöne Frühlingstag. Jegliche Schwermut, die sich aus dem vorherrschenden Grau des Februars gefüttert hat, scheint wie weggeblasen. Passt gar nicht zum Termin mit meinem Gesprächspartner Gerald von Foris, der von sich selbst sagt: “Selbst wenn ich einen Baum fotografiere, sieht der noch melancholisch aus!” Desperate Themen behandeln, die sich als Schatten über die Leichtigkeit des Seins im ersehnten Sonnenlicht schieben? Einige Überredungskunst ging voraus, um ein Treffen mit Gerald von Foris zu verabreden. “Ich find mich unbedeutend, es gibt doch so viele Fotografen, die haben Superzeugs am Start und die haben wirklich was zu sagen. Warum denn ausgerechnet ich?” Weiterlesen

Der Acker als Paradies. Ein Interview mit Andreas Weinand.

Margret

In seinem furiosen Buch COLOSSAL YOUTH von 2011 berichtet der Fotograf Andreas Weinand aus dem Innersten einer Clique von jungen Menschen. Diese sind getrieben von einem unersättlichen Hunger nach dem Leben. Sex & Drugs & Punk’n’Roll. Zum Rausch der Utopie wird der Kater gleich mitgeliefert. In wenigen Bildern, die bereits Ende der achtziger Jahre  entstanden sind, wird das Ungestüme, das Maßlose der Jugendlichen, die einen alternativen Lebensentwurf pflegen, skizziert. Das  Buch lässt den Betrachter am Ende mit leichter Verstörung zurück. Einen Lebenswurf  ganz anderer Art zeigt Andreas Weinand in seinem jüngsten Buch THE GOOD EARTH.

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Kurt Dornig. Über Buchgestaltung

 

Cornelia Blum, Auszeit. Buchgestaltung: Kurt Dornig

 

Mir passiert es immer wieder, dass mir Fotobücher in die Hände fallen, bei denen ich unmittelbar merke: es knirscht. Inhalt und Form finden überhaupt nicht zueinander. Man hätte besser daran getan, einen Experten ranzulassen, der entsprechende Erfahrung auf dem Feld der Buchgestaltung mitbringt. Etwa jemanden wie Kurt Dornig, der Graphikdesigner und Illustrator ist und sein Studio in Dornbirn/Österreich betreibt.

Zufällig kam ich vor einiger Zeit mit ihm ins Gespräch, als er mich zu  einem Buch befragte, von dem ich noch nie gehört hatte und das mich unmittelbar neugierig machte. Daraus entspann sich sogleich ein intensives Gespräch, in dessen Verlauf ich mich mit meinem Gegenüber über Materialien, über Gestaltungswerkzeuge, über falsch verstandenes Design und umgekehrt über besonders gelungene Bücher austauschte. Weiterlesen

Famose Künstlerbücher aus der Redfoxpress

Aus dem Buch: Francis van Maele. 1958.

 

1958 ist das Jahr, in dem die Weltausstellung in Brüssel mit ihren zukunfts-weisenden Visionen Millionen Menschen aus aller Herren Länder lockt. Der damals 11jährige Francis van Maele besitzt eine Kodak Brownie, mit der er auf den Parkplätzen rund um das Atomium herum streift und mit kindlichem Eifer die exotischen Autos ausländischer Besucher ablichtet. Ihn faszinieren die unbekannten Marken mit den fremdländischen Autoplaketten. Seine Bilder entstehen nach dem immer gleichen Kompositionsprinzip:  er richtet seinen Apparat  auf das Heck eines Autos, während im Hintergrund Teile der Stadtlandschaft  zu erkennen sind.

Viele Jahre danach gräbt der mittlerweile als Verleger tätige Francis van Maele  die vergessenen Fotos wieder aus und überlegt, wie eine geeignete Präsentationsform dafür aussehen könnte. Als eine Art Kladde kommt das kleine Büchlein daher: mit krakeliger Handschrift sind unter den sepiagefärbten Fotos die Herkunftsorte der Gefährte auf dem linierten Papier vermerkt. Nur eine der wunder-baren Kostbarkeiten von Redfoxpress, die ich gerade in der Buchhandlung im Haus der Photographie / Hamburg entdeckt habe! Weiterlesen

Gegen alle Hindernisse.
Ein Gespräch mit Pepa Hristova zur Entstehung ihres Buches “Sworn Virgins”.

Zwei Jahre sind vergangen, seit der erste Dummy entstand. Jetzt endlich soll das Buch „Sworn Virgins“ erscheinen. Ein überaus steiniger Weg liegt hinter der Fotografin Pepa Hristova. Viele Schwierigkeiten und Probleme hat sie meistern müssen, immer wieder Gespräche geführt, neue Entscheidungen getroffen und Korrekturen vorgenommen.
Gerade ist der Blindband gekommen, als wir uns unterhalten wollen. Die Fotografin ist nervös, denn dieser funktioniert noch nicht richtig. Es gibt Schwierigkeiten mit zwei unterschiedlichen Papierformaten. So können Druckstellen durch das Beschneiden entstehen. Was heißt das in seiner Konsequenz? Noch einmal eine neue Lösung finden? Noch einmal Geld reinstecken? Und führt das jetzt zu einer erneuten Verzögerung? Pepa Hristova ist eine Fotografin, die zweifelsohne hohe Ansprüche an sich selbst stellt. Egal, ob in ihrer fotografischen Arbeit oder in der Verwertung derselben. Eine standardisierte Buchproduktion käme für sie wahrscheinlich nicht in Frage. Zumindest war das nie ihre Absicht für ihre „Sworn Virgins“, eine Serie, die eine besondere Konzeption benötigt. Das verlangt viel Kreativität und birgt ebenso zahlreiche Stolperfallen.

Buchcover “Sworn Virgins”

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Interview mit Winfried Heininger, Kodoji Press

Wie in PHOTONEWS März 2013 angekündigt veröffentlichen wir hier das komplette Interview mit Winfried Heininger. “Another stylish design from Winfried Heininger“ meinte Martin Parr  über das neue Buch von Pietro Mattioli. In der Tat haben die Bücher aus Winfried Heiningers Kodoji-Verlag etwas gemeinsam:  sie sind ungewöhnlich bis sperrig, aber geschätzt. Wir sprachen mit dem Verleger und Gestalter.  

Denis Brudna: Du hattest bis 2007, dem Gründungsjahr von Deinem Kodoji-Verlag, schon viel mit Büchern und deren Verkauf zu tun, auch als Gründer und Mitinhaber von Schaden.com in Köln. Haben Dich die Erfahrungen nicht abschrecken können?

Winfried Heininger: Nein, eigentlich nicht. Weiterlesen

Listenwahnsinn!
Neu! Jetzt auch hier!
Die besten Fotobücher 2012.

Ich bekenne mich! Meine Schwachstelle lautet: die Sucht nach Listen. Die 10 besten Musikalben des Jahres? Die Top 3 deutscher Romane? Die stärksten Theaterpro-duktionen? Alle Jahre wieder befällt mich die Lust, der „Listomania“ ausgiebig zu frönen: die Neugier ist einfach groß, zu erfahren, was Kritiker für wichtig befinden und so lese ich mich fiebrig durch all die Endjahresabrechnungen, Bestenlisten, Kritikerpolls, Rankings der Blogs usw. Weiterlesen

Von der Lust am Bucherfinden und
dem Hang zur Selbstausbeutung.
Misha Kominek im Gespräch.

Misha Kominek hat mehrere Vorhaben gleichzeitig am Laufen. Da schwirrt mir unweigerlich die Zeile des „Berlin“- Songs von Kraftklub durch den KopfIch habe da gerade so n’ Projekt – super! Noch nichts Konkretes, aber sehr geil, businessmäßig hab ich mich da noch nicht festgelegt.“ Doch während sich Kraftklub unverhohlen lustig macht über das Geschwafel Berliner Pseudo-Kreativer, redet der Ausstellungsmacher, Büchermacher, Galerist, Buchhändler und, ach ja, Fotograf nicht nur, sondern hat eine Reihe von beachtenswerten Projekten während der letzten Jahren realisiert. Kürzlich ist ein wunderbares kleines Buch von Alec Soth erschienen, jüngst wurde die Ausstellung mit Irina Ruppert in seiner Galerie eröffnet. Zwischendurch ging es mal eben zur Offprint nach Paris. Und gerade schicke ich dem rührigen Macher aus Berlin noch eine Anfrage, als er mit Rinko Kawauchi in seiner Galerie zusammensitzt, um ein gemeinsames Buch zu koordinieren. Der Mann ist beschäftigt!

Misha, du bist zurück aus Paris – hat es sich gelohnt?

Misha Kominek (rechts im Bild) bei der Offprint Paris 2012

Paris ist immer für einen Café au lait gut, vor allem im November. Irgendwie ist die Stimmung in Paris ungebrochen positiv während der Paris Photo. Es war mehr als schlau von Yannick Bouillis, vor einigen Jahren die Offprint Buchmesse parallel zur Paris Photo zu gründen. Dieses Jahr war es allerdings die mit Abstand beste Offprint-Veranstaltung. Die architektonischen Gegebenheiten in der „École nationale supérieure des beaux-arts“ sind großzügig und für Besucher einladend. Die Räumlichkeiten waren nicht so verschachtelt wie zuletzt, so dass die Leute automatisch an allen Ständen vorbeigeleitet wurden. Weiterlesen

„Es ist schön, ein vielgesuchtes Buch in der Hand zu halten“.

Regina Anzenberger über ihren fotografischen Salon „Bring your photobook“.

R. Anzenberger während eines Treffens von “Bring your photobook”. Foto: Kay von Aspern

Regina Anzenberger lebt in Wien und hat dort 1989 die gleichnamige internationale Fotografen-Agentur (www.anzenberger.com) begründet, 2002 folgte zusätzlich eine Galerie. Sie arbeitet selbst als Künstlerin, zeichnet als Kuratorin für zahlreiche Ausstellungen verantwortlich und ist Herausgeberin mehrerer Fotobücher. Vor einiger Zeit hat sie einen kleinen Zirkel gegründet mit dem neugierig machenden Titel „Bring your photobook“. Was verbirgt sich genau dahinter? PHOTONEWS hat nachgefragt: Weiterlesen

Die Mission Fotobuch bleibt
Interview mit Markus Schaden

Dieser Beitrag erschien erstmals in PHOTONEWS 7-8/2012. 

„Schaden.com macht zu.“ Diese Nachricht hat viele Fotobuch-Fans überrascht und manche auch geschockt – schließlich gehört Markus Schaden zu den wichtigsten und prominentesten Experten auf diesem Gebiet und seine Kölner Buchhandlung ist ein Treffpunkt der internationalen Szene. Doch der 46-Jährige winkt ab. „Die Marke Schaden.com bleibt bestehen. Ich mache nur das Ladengeschäft zu.“ Als ich ihn nach seinen Zukunftsplänen befragen möchte, holt Schaden weit aus, analysiert den gesamten Fotobuchmarkt und beschreibt, wie sein eigenes Geschäft Ende 2011 am „ökonomischen und mentalen Tiefpunkt angelangt“ sei. Er stand vor der Frage: Weiter machen wie bislang, also mit Ladenlokal, Online-Shop und Messeständen – und so möglicherweise eine Insolvenz riskieren? Oder aber etwas völlig Neues ausprobieren?

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Fotobücher für alle

Der Digitaldruck hat den Fotobuchmarkt umgekrempelt.
Aber mittlerweile sind auch Echtfotobücher und Inkjet-Produktionen eine Alternative. 

Dieser Beitrag von Markus Linden ist erstmals erschienen in PHOTONEWS Juni 2012. Informationen zum Autor: http://www.markuslinden.de

Das Fotobuch – vor nicht allzu langer Zeit war es den Profis vorbehalten. Und dann auch nur jenen, die einen Verlag fanden, der das Risiko einer Auflagenproduktion auf sich nahm. Denn mehrere Tausend Bücher müssen erst einmal verkauft werden, damit ein Verlag deutlich in die Gewinnzone rutscht. Das Fotobuch wurde so zu einem Qualitätsmerkmal des Fotografen. Denn wer ein eigenes Buch veröffentlicht, kann sich so nicht nur präsentieren, sondern bekommt ein Qualitätssiegel an die Hand, das den ökonomischen Wert der eigenen Arbeit bescheinigt. Wenn ein Verlag den Fotografen publiziert, so muss seine Arbeit auch verkaufbar sein – das ist die Logik hinter dem klassischen Offset-Fotobuch.

Dieser Werbewert des Fotobuchs führt zu der fragwürdigen Situation, Weiterlesen

And the Winner is… Zu einem Zeitgeist-Phänomen des Fotobuchmarktes

In der PHOTONEWS-Ausgabe Mai 2012 (Seite 3) erschien nachfolgender Essay von Christoph Schaden, den wir auch Nutzern dieses Blogs zugänglich machen möchten. 

Sogleich zur Testfrage. Was haben eine Berghalde, eine unter Schweinen grassierende Halskrankheit und eine Wegekrümmung gemeinsam? Nun, die Gebrüder Grimm aus Göttingen wussten es noch. Die beiden emsigen Wortfinder und Märchensammler aus dem 19. Jahrhundert erkannten in dem süffisanten Bedeutungsgehege noch eine bindende Sprachwurzel aus dem Altgermanischen nachwirken. Dabei handelt es sich um den „Rank“, so ihr berühmtes Deutsches Wörterbuch. Das Einsilbenwörtlein feiert dieser Tage wieder fröhliche Urständ, sinnigerweise auch auf dem stets noch überhitzten Kleinstsegment des Fotobuchmarkts. Allerdings in Verlaufsform und unter angelsächsischen Vorzeichen. Jawohl, die Rede ist vom Ranking! Kaum ein Weblog, Fachbuchhändler oder Starfotograf mag heutzutage Weiterlesen

Das Fotobuch als Poldermodell.
Ein Gespräch mit Rik Suermondt über Fotobücher und die aktuelle Ausstellung „Feest van het Fotoboek“

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22.3.12 Im Vorfeld der Ausstellung über niederländische Fotobücher seit 1945, die gerade im Fotomuseum Rotterdam unter dem Titel „Feest van het Fotoboek“ eröffnet wurde, fand dieses Interview mit Rik Suermondt, einem der beiden Initiatoren der Ausstellung und des Katalogbuches statt. Weiterlesen