We Love Martin Parr!

Neues vom Herrn der Fotobücher. Gerade habe ich zwei wunderbare Bücher im Stapel der Neuerscheinungen entdeckt. „Hong Kong Parr“ ist der eine Titel, erschienen bei Gost Books. Da lässt sich nur konstatieren: Wo Parr draufsteht, ist auch Parr drin. Von der Blindspot Gallery in Hongkong beauftragt, ist Martin Parr für einige Zeit in der Stadt mit einer der höchsten Bevölkerungsdichten weltweit unterwegs gewesen. Ein gefundenes Fressen für ihn, wenn er sich durch das hektische Straßentreiben bewegt und Situationen des Alltags aufsaugt. Weiterlesen

Danila Tkachenko. Escape.

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Abkehr. Rückzug. Weltflucht. Sie lassen die Schrecken, das Ungemach der Vergangenheit hinter sich und suchen sich einen Platz in der Wildnis. Sie verschwinden hinter dem dichten Astwerk des Waldes, um dort eins zu werden mit der Natur. Aber sie sind keine Hippie-Romantiker mit der Maxime “Back to the Nature”, sondern radikale gesellschaftliche Verweigerer. Weiterlesen

Matej Sitar. Morning Sun.

 

Guter Hoffnung sein. 266 Tage sind der Durchschnittswert, bis sich aus einer befruchteten Eizelle ein Kind entwickelt und dieses das Licht der Welt erblickt. Wie es als Vater sein wird? Was sich ändert? Wie die Tage aussehen in einem Leben zu dritt? Matej Sitar weiß es nicht. Aber der slowenische Fotograf setzt sich fotografisch mit dem gleichermaßen beglückenden wie verwirrenden Moment auseinander, als er von der Schwangerschaft seiner Freundin Maja erfährt. Weiterlesen

The Photography Workshop Series.

Larry Fink on Composition and Improvisation. Links das Foto: Pat Sabatine’s Eight Birthday Party

Larry Fink on  Improvisation and Composition. Rechts: Pat Sabatine’s Eight Birthday Party

„This is a famous picture that I take a long time ago. It’s an extraordinary photograph. One of the reasons this picture is so heralded is because it’s about more than the subject matter, it’s about the nature of photography.“ So leitet Larry Fink eine Beschreibung zu seinem Bild „Pat Sabatine’s Eight Birthday Party“ aus seiner großartigen Serie „Social Grace“ ein. Weiterlesen

Horst A. Friedrichs. Denim Style.

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Der Stoff, aus dem die Träume sind. Eine Jeans ist eine Jeans ist eine Jeans. Vielleicht für dich! Nicht aber für jene, für die Webkanten, Färbung der Kettfäden, Stoffstärke, Waschung etc. zur Glaubensfrage wird. Nicht für diejenigen, die Denim-Vintage sammeln und dafür horrende Summen ausgeben. Nicht für diejenigen, die sich den vorherrschenden Trends verweigern und ausschließlich klassisches „Raw Denim“ tragen. Die steife, indigogefärbte Kleidungsstücke erwerben, diese erst mal nicht waschen, um deutliche Gebrauchsspuren durch Abrieb, Falten etc. zu erzielen. Die also eine Hose gerne ein halbes Jahr eintragen, ohne sie in die Waschmaschine wandern zu lassen, um einen individuellen Look auf dem Stoff zu erzielen. Weiterlesen

Thomas Henning. Sperrmüll, 1983.

 

Thomas Henning. Sperrmüll, 1983

Thomas Henning. Sperrmüll, 1983

Die Stadt, der Müll und das Leben. Letzteres entfaltet sich vor allem nach Einbruch der Dunkelheit. Ausgelassenheit und Goldgräberstimmung liegen in der Luft. Ein heißer Sommer. Und ein Moment der Freiheit und des herrschaftsfreien Raumes. Matratzen fliegen aus Fenstern. Sperrmüll türmt sich an den Straßenecken. So kunstvoll diese Müllberge von denen einen zusammengesetzt werden, so erbarmungslos werden sie von den anderen gefleddert. Im Glückstaumel tragen die Straßensammler ihren Trophäen von dannen, bevor diese von den ausrückenden Sperrmüllwagen eingesammelt werden können. Weiterlesen

Fanpost 10: Mars. Eine fotografische Entdeckung

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Südpolarregion. Tiefer Einschnitt in polare Sedimentschichten

Eine neue Fanpost im Blog, heute von Christiane Stahl, die mit Mars. Eine fotografische Entdeckung  eines der spektakulärsten Projekte der letzten Zeit vorstellt.

Christiane Stahl ist seit 2002 Leiterin der Alfred Erhardt Stiftung, um sich der Erschließung des umfangreichen Werks des deutschen Fotografen und Dokumentarfilmers zu widmen. Ein Besuch in der Alfred Erhardt Stiftung in Berlin lohnt sich eigentlich immer, wo Christiane Stahl  ein interessantes Programm aus Ausstellungen, Künstlergesprächen, Filmvorführungen etc. auf die Beine stellt. In den präsentierten Ausstellungen wird ein Ansatz gepflegt, der zeitgenössische fotografische Postionen mit den Arbeiten des Vertreters der Neuen Sachlichkeit in Verbindung setzt. Warum Christiane Stahl, die einst Kunstgeschichte und Theater- und Filmwissenschaft studierte und über Alfred Erhardts Frühwerk promoviert hat, von der Publikation über den Roten Planeten so fasziniert ist, führt sie im Folgenden aus:

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David Lynch. The Factory Photographs.

(1) Press Image l David Lynch, Untitled (Lodz), 2000

Warum muss ich ausgerechnet an eine Pralinenschachtel bei dem neuen Buch von David Lynch denken? Liegt vielleicht an der sepia-farbenen Verpackung und der goldenen Aufschrift. Eine kleine Serie mit Bildern, die in Rauch eingehüllte Fabrikgebäude und einen trüben Himmel zerschneidende Elektroleitungen zeigen, bildet den Auftakt. Dann ein Interview mit dem Künstler, ein beigefügtes Porträt, einige Zeichnungen – das alles ist mir einen Tick zu gefällig, zu zuckersüß. Spätestens dann, wenn auch noch eine Liste mit Zitaten des Maestros beigefügt wird. Weiterlesen

Marco van Duyvendijk.
Riko / SMA Negeri 1 Semarang.

SMA Negeri 1 Semarang

Schon bei “Love Doll Factory”, das hier vor nicht allzu langer Zeit vorgestellt wurde, hatte Marco van Duyvendijk es angekündigt. Eine kleine Buchserie mit verschiedenen Themen sollte entstehen. Jetzt fand ich zwei neue Publikationen des in Rotterdam lebenden Fotografen im Briefkasten: “Riko” und “SMA Negeri 1 Semarang”. Das rote und das blaue Album. Ein Buch über Tanz, eines über eine alte Schule. Weiterlesen

Oliver Sieber. Imaginary Club

Doppelseite aus Imaginary Club

Doppelseite aus Imaginary Club

Hereinspaziert in den Imaginary Club! Wie viele Nächte hat sich Oliver Sieber um die Ohren geschlagen? Wie viele Drinks hat er zu sich genommen? Welche Musik hat er dabei gehört?  Auf welche Weise hat er wohl die Leute angesprochen und ihnen sein ungewöhnliches Anliegen vorgetragen? Wie viele Leute haben ihm eine Absage erteilt? Wie viele sind direkt aus dem Dunkel des Clubs vor seine Kamera getreten?

Den Imaginary Club gibt es nicht. Der ist nur erfunden, wie der Name schon verrät. Oder doch – es gibt den Imaginary Club. Der ist überall: in den großen Metropolen Los Angeles, New York, Tokio, manchmal auch in kleinen Städten in Finnland oder Deutschland. Oliver Sieber führt uns den Club als einen Ort der sozialen Utopie vor, der für einen bestimmten Augenblick der Welt vor der Tür einen eigenen konzentrierten Moment entgegensetzt, wie es Mercedes Bunz einmal formuliert hat. Weiterlesen

Fanpost 9:
Harry Gruyaert – Roots

Harry Gruyaert - Roots

Harry Gruyaert – Roots

Eine neue Fanpost, heute von dem Hamburger Fotografen Axel Martens, der sich für das Buch “Roots” des MAGNUM-Fotografen Harry Gruyaert begeistert. Axel Martens selbst arbeitet für Redaktionen und Werbung. Am liebsten ist er im Porträtbereich tätig. Er ist Mitbegründer und Veranstalter von klubfoto in Hamburg.  Weiterlesen

Fanpost 8: Ekaterina Anokhina – 25 Weeks of Winter

Endlich wieder eine Fanpost im Blog, die heute von Michael Kollmann kommt, der tagtäglich mit dem Fotobuch zu tun hat. Er bekleidet in Wien die Stelle als Fotobuchkurator bei Peter Coeln im WestLicht(Museum) und OstLicht(Galerie). Im Museum baut er das Medium Fotobuch vermehrt in das Ausstellungsprogramm, während er in der Galerie die öffentlich zugängliche Fotobuchbibliothek mit 25.000 Büchern betreut. Michael Kollmann ist u.a. für die Ausstellung zur legendären “Camera” Zeitschrift von Allan Porter im letzten Jahr verantwortlich gewesen. Der Buchexperte ist Mitorganisator des ViennaPhotoBookFestivals, das erstmals erfolgreich in diesem Sommer stattfand. Sein neuestes Projekt heißt “Publisher in Residence”, in dem er jeweils einem Independent Verlag die Möglichkeit bietet, für die Dauer von drei Monaten sein Gesamtprogramm in der angeschlossenen Buchhandlung zu präsentieren.

Ekaterina Anokhina  - 25 Weeks of Winter

Buchcover: Ekaterina Anokhina – 25 Weeks of Winter

 

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Jim Mangan. Color’d. / Bastard Child.

Jim Mangan. Bedu.

Jim Mangan. Bedu.

Sandwolken explodieren. Körner umwirbeln nackte Körper. Mein Favorit  der diesjährigen “Visual Leader” Ausstellung ist die Serie „Bedu“ des Amerikaners Jim Mangan. Sie ist der Abschluss einer Trilogie, die nach Aussagen ihres Schöpfers den Themenkomplex „Wiedergeburt“ behandelt. „Bedu“ ist eine sehr surreal anmutende Arbeit, in der es  – wie in seinen beiden vorausgehenden Serien – um Naturverbundenheit, um Freiheit und Enthemmung geht. Nacktheit als archaische Grunderfahrung und Metapher der Lossagung von allen gesellschaftlichen Konventionen. Magnans Arbeiten wirken wie das süße Versprechen auf eine Utopie der Freiheit. Und dennoch ist sein Ansatz ein viel zurückhaltender als der eines Ryan McGinley, der mit ähnlichen Sujets arbeitet und bei dem die Lebenswelt seiner Protagonisten authentisch aussehen soll, dabei aber sehr kalkuliert rüberkommt. Weiterlesen

Joakim Eneroth. Swedish Red

Dunkelrot die Lettern auf dem Buchcover. Statt eines Einleitungstextes eine  Kolonne mit Buchstaben-Zahlen-Kombinationen: S-1080R, S1080-Y90R, S-1085Y80R, S1575-R10B etc. Hierbei handelt es sich um  Farbbezeichnungen eines standardisierten Referenzsystems, mit dem sich Rottöne definieren lassen. Etwa jene Rottöne schwedischer Holzhäuser.

„Faluröd“ heißt die meistgenutzte Dispersionsfarbe, mit der viele der Häuser in Schweden gestrichen werden. Sie besteht aus Eisenoxid-Pigmenten, die seit Jahrhunderten als Nebenprodukt des Kupferabbaus in der schwedischen Stadt Falun gewonnen werden. Ein einfach herzustellendes Naturprodukt mit dem Vorteil, einen äußerst beständigen Schutz gegen das oft nasskalte Wetter zu bilden. Kein Wunder also, dass das Rot der beherrschende Fassadenfarbton unserer Nachbarn im Norden ist. Als Betrachter blickt man entzückt auf die unterschiedlich rotgefärbten Fronten jener typischen Holzhäuser, die einem aus diversen Kinderbüchern, gemalten Szenen von Carl Larsson, Möbel-hauswerbung und ZDF-Filmschmonzetten nur allzu vertraut sind. So können die roten Außenwände als Projektionsfläche dienen, um unsere vagen Sehnsuchtsvorstellungen nach einem von Natur und Folklore geprägten Land bzw. einem intakten Wohlfahrtsstaat zu speisen.  Weiterlesen