Marco van Duyvendijk & Xiaxiao Xu. Love Doll Factory

Die Form spiegelt den Inhalt. In Pergament eingewickelt, erreicht mich ein dünnes Büchlein aus den Niederlanden. Zugeklebt mit einem rosafarbigen PVC-Klebeband. Nimmt man das Buch heraus, hält man ein Softtouch-Cover in der Hand. Das ist eine Art Gummilaminierung, die für ein angenehmes Gefühl in der Hand sorgt. Auf dem Cover selbst ist ein abstraktes Knäuel aus merkwürdigen rosa Würmern abgebildet. Weiterlesen

Antonia Zennaro. Reeperbahn.

Coverfoto “Reeperbahn”

Udo Lindenberg singt: „Reeperbahn, du geile Meile.“ Und Tom Waits: “The memories are short but the tales are long when you’re in the Reeperbahn.” Immer noch ist die Reeperbahn ein mythisch aufgeladener Ort, an dem sich eine Vielzahl von Literaten, Musikern und –genau- Fotografen künstlerisch abarbeiten. So klingt mir just in diesem Moment ein Song der wunderbaren „Villagers“ entgegen, die von kleinen lustigen Fehlern im irdischen Design singen und ausgerechnet die Reeperbahn als Synonym benutzen. Weiterlesen

Fanpost 7

Heute eine Empfehlung von Damian Zimmermann – Fotograf, Journalist, Blogger. Seine lesenswerten Texte erscheinen u.a. regelmäßig  in PHOTONEWS, Kölner Stadt-Anzeiger, taz sowie im eigenen Blog. Mit Nadine Preiß hat der  Fotograf zuletzt das Großprojekt „Paare – Menschenbilder aus der Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ durchgeführt. Ein Jahr sind die beiden dazu in Deutschland umher gereist, um Paare abzulichten. Eine typologische Arbeit, die eine Hommage an eine in den 70er Jahren schon einmal initiierte Serie von Beate und Heinz Rose darstellt. Weitere Infos: www.damianzimmermann.de  und www.paareprojekt.de

Michael Marten: Sea Change. A Tidal Journey Around Britain.

Michael Marten: Sea Change (Cover)

Gestalterisch ist „Sea Change“ nichts Besonderes: Das Standard-Hardcover ohne Schutzumschlag wirkt etwas lieblos, das weiße Vorsatzpapier ist eigentlich eine ideenlose Frechheit und das Layout mit den roten Himmelsrichtungsangaben scheint wie aus einer Schülerzeitung. Weiterlesen

Kenneth Gustavsson. The Magic Bar

Die Bar liegt gegenüber. Ich bin unschlüssig: Soll ich, soll ich nicht? Auch wenn ich nicht länger hier rumlungern will, irgendetwas hält mich. Da ist dieses merkwürdige Versprechen, das über der Tür prangt. Nicht das auf Alkohol, sondern jenes  beschreibende Attribut im Namen, das meine Neugierde hervorruft: MAGIC. Düster und unwirklich  ist die Fassade. Niemand, wirklich niemand, der rein oder raus geht. Die Scheiben gleichen mächtigen getönten Brillengläsern, die das Dahinter verbergen. Was einen dort erwartet? Ob all jene, die draußen nirgendwo anzutreffen sind, zusammen gepfercht an der Theke sitzen, Drinks nehmen, sich mit ihrem Nachbarn unterhalten, eben all jene Dinge tun, die man in Kneipen tut? Wenn die Fenster Augengläsern gleichen, dann ist der Eingang ein dunkler Schlund, der jeden schluckt, der sich ihm nähert. Ich kann nicht anders. Die Bar zieht mich magisch (!) an, ich überquere die Straße und dann bin ich drin.

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Rena Effendi. Land ohne festen Boden

Mit seinem roten Kunststoffumschlag gaukelt das kleinformatige Buch irgendwas zwischen Mao-Bibel, Lehrbuch und privatem Fotoalbum vor. Ein Schmetterling ist auf der Front eingeprägt, dazu Name und Titel. In Gold. Das Vorsatzpapier besteht aus ornamentalen Mustern, genaueres Hinsehen identifiziert diese als Reihungen weiterer Schmetterlinge. Das mag ein wenig zu viel des Guten sein, verweist aber auf den Inhalt: In der Tat findet man in dem Buch immer wieder Bilder von Schmetterlingen. Mein liebster Schmetterling ist jener mit grün-weißer Färbung, der uns aus der Dunkelheit ins Licht entgegen schwebt. Aber dann ist es gar kein Schmetterling, sondern ein kleines Mädchen, das aus der Tiefe des Raumes kommt. Der halb entblößte Körper ist über und über mir grünen Farbschlieren bedeckt. Eine Creme gegen Windpocken, wie man aus dem Titel kombinieren kann. Weiterlesen

Johan Willner. Boy Stories.

Den blå bilden/ The Blue Picture 2006

Eine türkisschimmernde Fläche, zerschnitten von einer Garderobenleiste. Das Intro zu Johan Willners Buch lässt den Betrachter dicht vor einer Wand verharren, von der die eigenen Erinnerungsechos hart auf ihn zurückprasseln. Die Wand gehört zu einer Umkleidekabine. Diese wird noch einmal im Abschlussbild auftauchen. Dort wird  eine umfassendere Perspektive in die Tiefe des leeren Raums gewährt. Auf einer Bank ein vergessenes Handtuch, auf dem glänzenden Boden liegen achtlos weggeworfene Bonbonpapiere. Willner schafft kinematographische Bilder, deren Inhalte einem exakten Drehbuch folgen. Dessen Schreiber ist die Erinnerung. Weiterlesen

Fanpost 6:

Heute mit Stephanie Bunk, die auf vielfältige Weise der Fotografie verbunden ist, wobei sie sich besonders für den Spagat zwischen Kunst und Bildjournalismus interessiert. Sie arbeitet für die Griffelkunst Hamburg und ist dort für die Fotoeditionen verantwortlich. Vor einigen Jahren hat sie den „Raum für Photographie“ initiiert, sie ist im Vorstand des Freundeskreises des Hauses der Photographie und Co-Kuratorin der FREELENS Galerie. In der persönlichen Begegnung erweist sie sich als als geschätzte Gesprächspartnerin, mit der man extrem gut über den (fotografischen) Tellerrand hinausblicken kann. Geht es etwa um den neuen Roman von Richard Ford oder die jüngste Platte von „The Giant Sand“, immer wird man mit einem sehr dezidierten, überraschenden Urteil der gelernten Kulturwissenschaftlerin rechnen können. Der Leser mag sich von dieser Urteilskraft im folgenden Fanpost-Beitrag überzeugen!

Kirill Golovchenko. Kachalka. Muscle Beach.

Ich war schon ein Fan der Bilder von „Kachalka“, einem riesigen Open-Air-Bodybuilder-Studio in der Nähe von Kiew, bevor Kirill Golovchenko sie nun als Buch im Kehrer Verlag veröffentlicht hat. Als Kirill sie mir das erste Mal zeigte, konnte ich kaum fassen, was ich da sah, so surreal mutete die gesamte Situation an, wenn Menschen jeden Alters und jedweder Gestalt sich an selbstgebauten, aber immer blauen Fitness-Geräten malträtieren. Weiterlesen

Fanpost 5:

Fanpost. Die feste Rubrik im Blog. Seiner Bewunderung für ein Fotobuch Ausdruck geben! Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans eines aktuellen Fotobuches zu bekennen. Eines, für das sie besonders schwärmen! Heute mit Michael Klein, einem absoluten Nerd der Fotobuchszene. Er betreibt die Fotobuchhandlung im Haus der Photographie in Hamburg und bespricht von Zeit zu Zeit Bücher für einschlägige Magazine. Vorher war er jahrelang im legendären PPS-Bookshop tätig, einer der ersten Fotobuchhandlungen in Deutschland. Wer die schöne Buchhandlung noch nicht kennt, dem sei unbedingt ein Besuch ans Herz gelegt: immense Auswahl und ein kompetenter Buchhändler, der immer für einen überraschenden Buchtipp, weit ab vom fotografischen Mainstream, gut ist. Kontakt: www.deichtorhallen.de

Olivia Arthur – Jeddah Diary

Frauenleben in Saudi Arabien. Wie von selbst öffnen sich die Schubladen im Kopf: In schwarze Abayas gekleidet, huschen islamische Frauen, immer zwei Schritte hinter ihren Männern, über die Straßen. Der schmale Schlitz des Tschadors lässt lediglich die Augen frei. Wie sich der Körper damit den fremden Blicken entzieht, so verborgen scheint uns das Alltagsleben dieser Frauen in Saudi Arabien überhaupt zu sein. Ein trostloses Dasein in Isolation und Rechtlosigkeit. Verhüllung=Unterdrückung. Weiterlesen

Martin Parr. Life’s a Beach.

Das Erscheinen des Buches „The Last Resort“  im Jahr 1985 zog einen Sturm der Entrüstung nach sich. Darin ist eigentlich schon alles versammelt, was die spätere Ästhetik und Themenauswahl von Martin Parr ausmachen sollte. Der englische Fotograf führte auf dem Höhepunkt der Thatcher-Ära Szenen  aus dem Seebad New Brighton vor, von dessen Prachtfassaden die Farbe abblätterte und  in dem Familien der englischen Arbeiterklasse an den vermüllten Badestränden in der Sonne rösteten. Das konnte nur heftige, ablehnende Reaktionen zur Folge haben: eine voyeuristische bzw. zynische Vorgehensweise wurde dem Fotografen vorgeworfen. Es war der Grundstein zu einer großen Karriere. „Ich bin süchtig nach Stränden“, sagt Martin Parr von sich. Jetzt, viele Jahre und unzählige Buchveröffentlichungen später, frönt er erneut seinem Lieblingsthema.

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Martin Bogren. Lowlands

Vor einiger Zeit wurde am Hamburger Schauspielhaus Rocko Schamonis “Dorfpunks“ aufgeführt, die Geschichte eines Heranwachsenden in der Provinz. Der Schlusschor stimmte darin ein Lied mit folgender Zeile an: „Du trägst dein Dorf immer mit dir rum.“ An die Zeile muss ich denken, als ich durch das schön gestaltete „Lowlands“ von Martin Bogren blättere. Darin beschreibt der Fotograf eine Episode, als er an den Ort seiner Jugend zurückkehrt. Er steht auf dem Dach seines Autos und macht Fotos von den Spuren exzessiver Burn-Outs auf einem Parkplatz. Das abgeriebene Gummi von durchdrehenden Reifen bildet kalligraphische Zeichen auf dem Asphalt. Ein kleiner Junge kommt mit dem Rad vorbei. „Cooler Burn. Von dir?“ Weiterlesen

David Alan Harvey. (Based on a true story).

Bereits der Titel treibt ein subversives Spiel mit den Erwartungen des Benutzers. Die Behauptung der Wahrheit – diese dann allerdings nur in Klammern gesetzt. David Alan Harvey, der 1944 in San Francisco geborene, rührige Magnum-Fotograf, der immer wieder für National Geographic fotografiert und u.a. das sehr interessante Online-Magazin Burn verantwortet, hat ein faszinierendes (ja, soll man sagen?) Buch gemacht. Dessen Präsentationsform sprengt alle Konventionen, die wir erwarten. Weiterlesen

Pentti Sammallahti. Hier weit entfernt.

 

Varanasi, Indien, 1999

Der finnische Fotograf Pentti Sammallahti könnte eigentlich als „Role Model“ für jeden unabhängigen Fotobuchmacher herhalten. Ganz am Ende dieses massigen Bandes mit dem etwas verqueren Titel „Hier weit entfernt“ gelangt man zu einer kommentierten Bibliographie, in der alle bisherigen Bücher Sammallathis aufgelistet sind: das reicht von dem auflagenstarken „Staden“, einem Porträt über die finnische Hauptstadt, das im Siebenton-Offsetdruck produziert wurde, bis zum „Japanese Portfolio“, bestehend aus einem Holzkasten mit 20 getönten SW-Silberdrucken in streng limitierter Auflage. Den bibliophilen Sammler befällt da schwere Atemnot! Weiterlesen

Fanpost 4:

Fanpost. Die neue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken! Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans eines aktuellen Fotobandes zu erkennen zu geben. Ein Buch, für das sie besonders schwärmen! Dieses Mal eine Empfehlung des Fotobuchspezialisten Hannes Wanderer, der von sich selbst sagt, Fotografie sei seine Leidenschaft. Das kann jeder nur bestätigen, der mit dem rührigen Verleger und Buchhändler mal zu tun gehabt hat. Hannes Wanderer gründete 2004 den Peperoni Verlag, in dem er seitdem ein anspruchsvolles Fotobuchprogramm publiziert. Darüberhinaus betreibt er in Berlin die Buchhandlung 25books, in der regelmäßig Ausstellungen und Buchpräsentationen stattfinden. Und schließlich  ist er für die gleichnamige Website www.25books.com verantwortlich, auf der er seine kurzweiligen Kaufempfehlungen ausspricht.

Hannes Wanderer über das Projekt 581C des schwedischen Fotografen Thobias Fäldt:

 “I hope something special will step into my life, another fine edition of you.” (Roxy Music / Editions Of You)

Das Team von B-B-B-Books experimentiert weiter auf sehr spannende Weise mit dem Fotobuchformat. Für Tobias Fäldts ›581c Vol 2 & 3‹ werden Techniken eingesetzt, die aus anderen Kunstformen bekannt sind, auf das Fotobuch aber bisher kaum angewendet wurden. Weiterlesen

Fanpost 3:

Fanpost. Die neue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken! Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans eines aktuellen Fotobandes zu erkennen zu geben. Ein Buch, für das sie besonders schwärmen! Dieses Mal eine Empfehlung von Sophia Greiff, derzeit Stipendiatin der Alfred Krupp von Bohlen und Hallbach Stiftung im Rahmen des Programms “Museumskuratoren für Fotografie”. Sophia Greiff ist Autorin zahlreicher Texte über Fotografie in Magazinen und Büchern. Derzeit bereitet sie eine Ausstellung des Kupferstichkabinetts Dresden über die Druckgraphik von WOLS vor. www.sophiagreiff.de

Sophia Greiff stellt das Buch “Drowned” von Seba Kurtis vor.

Steinige Küstenlandschaften und Sonnenschirm-gepflasterte Sandstrände, Palmen und Kakteen, Zäune und Begrenzungen. Dazwischen Aufnahmen von Hochzeiten und Feiern, von persönlichen Momenten unbekannter Menschen. Weiterlesen

Jitka Hanzlová.

2.8.12 Hinter bunter Wäsche, die an der Leine baumelt, öffnet sich ein verzaubertes Kindheitsparadies. Eines, in dem eine junge Frau mit einer Ziege tanzt, Jungen bäuchlings in den glänzenden Asphalt der Dorfstraße eintauchen, eine andere Frau unter einem Baum in hundertjährigen Schlaf fällt. Das Paradies, dem ein eigentümliches Schweben und eine Weltverlorenheit entströmen, lautet auf den exotischen Namen Rokytník. Und es braucht nur eine Sekunde, bis die geheimnisvolle, zuweilen auch elegische Atmosphäre den Betrachter verhext. Weiterlesen