David Alan Harvey. (Based on a true story).

Bereits der Titel treibt ein subversives Spiel mit den Erwartungen des Benutzers. Die Behauptung der Wahrheit – diese dann allerdings nur in Klammern gesetzt. David Alan Harvey, der 1944 in San Francisco geborene, rührige Magnum-Fotograf, der immer wieder für National Geographic fotografiert und u.a. das sehr interessante Online-Magazin Burn verantwortet, hat ein faszinierendes (ja, soll man sagen?) Buch gemacht. Dessen Präsentationsform sprengt alle Konventionen, die wir erwarten. Weiterlesen

Pentti Sammallahti. Hier weit entfernt.

 

Varanasi, Indien, 1999

Der finnische Fotograf Pentti Sammallahti könnte eigentlich als „Role Model“ für jeden unabhängigen Fotobuchmacher herhalten. Ganz am Ende dieses massigen Bandes mit dem etwas verqueren Titel „Hier weit entfernt“ gelangt man zu einer kommentierten Bibliographie, in der alle bisherigen Bücher Sammallathis aufgelistet sind: das reicht von dem auflagenstarken „Staden“, einem Porträt über die finnische Hauptstadt, das im Siebenton-Offsetdruck produziert wurde, bis zum „Japanese Portfolio“, bestehend aus einem Holzkasten mit 20 getönten SW-Silberdrucken in streng limitierter Auflage. Den bibliophilen Sammler befällt da schwere Atemnot! Weiterlesen

Fanpost 4:

Fanpost. Die neue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken! Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans eines aktuellen Fotobandes zu erkennen zu geben. Ein Buch, für das sie besonders schwärmen! Dieses Mal eine Empfehlung des Fotobuchspezialisten Hannes Wanderer, der von sich selbst sagt, Fotografie sei seine Leidenschaft. Das kann jeder nur bestätigen, der mit dem rührigen Verleger und Buchhändler mal zu tun gehabt hat. Hannes Wanderer gründete 2004 den Peperoni Verlag, in dem er seitdem ein anspruchsvolles Fotobuchprogramm publiziert. Darüberhinaus betreibt er in Berlin die Buchhandlung 25books, in der regelmäßig Ausstellungen und Buchpräsentationen stattfinden. Und schließlich  ist er für die gleichnamige Website www.25books.com verantwortlich, auf der er seine kurzweiligen Kaufempfehlungen ausspricht.

Hannes Wanderer über das Projekt 581C des schwedischen Fotografen Thobias Fäldt:

 “I hope something special will step into my life, another fine edition of you.” (Roxy Music / Editions Of You)

Das Team von B-B-B-Books experimentiert weiter auf sehr spannende Weise mit dem Fotobuchformat. Für Tobias Fäldts ›581c Vol 2 & 3‹ werden Techniken eingesetzt, die aus anderen Kunstformen bekannt sind, auf das Fotobuch aber bisher kaum angewendet wurden. Weiterlesen

„Es ist schön, ein vielgesuchtes Buch in der Hand zu halten“.

Regina Anzenberger über ihren fotografischen Salon „Bring your photobook“.

R. Anzenberger während eines Treffens von “Bring your photobook”. Foto: Kay von Aspern

Regina Anzenberger lebt in Wien und hat dort 1989 die gleichnamige internationale Fotografen-Agentur (www.anzenberger.com) begründet, 2002 folgte zusätzlich eine Galerie. Sie arbeitet selbst als Künstlerin, zeichnet als Kuratorin für zahlreiche Ausstellungen verantwortlich und ist Herausgeberin mehrerer Fotobücher. Vor einiger Zeit hat sie einen kleinen Zirkel gegründet mit dem neugierig machenden Titel „Bring your photobook“. Was verbirgt sich genau dahinter? PHOTONEWS hat nachgefragt: Weiterlesen

Fanpost 3:

Fanpost. Die neue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken! Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans eines aktuellen Fotobandes zu erkennen zu geben. Ein Buch, für das sie besonders schwärmen! Dieses Mal eine Empfehlung von Sophia Greiff, derzeit Stipendiatin der Alfred Krupp von Bohlen und Hallbach Stiftung im Rahmen des Programms “Museumskuratoren für Fotografie”. Sophia Greiff ist Autorin zahlreicher Texte über Fotografie in Magazinen und Büchern. Derzeit bereitet sie eine Ausstellung des Kupferstichkabinetts Dresden über die Druckgraphik von WOLS vor. www.sophiagreiff.de

Sophia Greiff stellt das Buch “Drowned” von Seba Kurtis vor.

Steinige Küstenlandschaften und Sonnenschirm-gepflasterte Sandstrände, Palmen und Kakteen, Zäune und Begrenzungen. Dazwischen Aufnahmen von Hochzeiten und Feiern, von persönlichen Momenten unbekannter Menschen. Weiterlesen

Jitka Hanzlová.

2.8.12 Hinter bunter Wäsche, die an der Leine baumelt, öffnet sich ein verzaubertes Kindheitsparadies. Eines, in dem eine junge Frau mit einer Ziege tanzt, Jungen bäuchlings in den glänzenden Asphalt der Dorfstraße eintauchen, eine andere Frau unter einem Baum in hundertjährigen Schlaf fällt. Das Paradies, dem ein eigentümliches Schweben und eine Weltverlorenheit entströmen, lautet auf den exotischen Namen Rokytník. Und es braucht nur eine Sekunde, bis die geheimnisvolle, zuweilen auch elegische Atmosphäre den Betrachter verhext. Weiterlesen

Die Mission Fotobuch bleibt
Interview mit Markus Schaden

Dieser Beitrag erschien erstmals in PHOTONEWS 7-8/2012. 

„Schaden.com macht zu.“ Diese Nachricht hat viele Fotobuch-Fans überrascht und manche auch geschockt – schließlich gehört Markus Schaden zu den wichtigsten und prominentesten Experten auf diesem Gebiet und seine Kölner Buchhandlung ist ein Treffpunkt der internationalen Szene. Doch der 46-Jährige winkt ab. „Die Marke Schaden.com bleibt bestehen. Ich mache nur das Ladengeschäft zu.“ Als ich ihn nach seinen Zukunftsplänen befragen möchte, holt Schaden weit aus, analysiert den gesamten Fotobuchmarkt und beschreibt, wie sein eigenes Geschäft Ende 2011 am „ökonomischen und mentalen Tiefpunkt angelangt“ sei. Er stand vor der Frage: Weiter machen wie bislang, also mit Ladenlokal, Online-Shop und Messeständen – und so möglicherweise eine Insolvenz riskieren? Oder aber etwas völlig Neues ausprobieren?

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Fanpost 2:

Fanpost. Die brandneue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken!  Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans einer Neuerscheinung zu erkennen zu geben. Eine, für die sie ganz besonders schwärmen! Heute eine Empfehlung des in Wien lebenden Fotografen Helfried Valenta. Dieser hat mit “Prater” selbst gerade eine wunderbare Arbeit im Metroverlag veröffentlicht. Die Serie versammelt äußerst bizarre Ansichten des berühmten Wiener Vergnügungsparks bei Nacht. Siehe dazu: coppernights.blogspot.com. Valenta stellt die Arbeit des Argentiniers Marcos López vor.

Marcos López

Marcos López, „Debut and Farewell, 1978-2009“

Nach „Pop Latino“ veröffentlichte der Argentinier Marcos López 2010 sein zweites Buch „Debut and Farewell, 1978-2009“. In dieser von Kennern heiß ersehnten Zusammenfassung sind auch seine bisher unbekannten, mittlerweile in Sammlerkreisen sehr begehrten Schwarzweiß-Portraits aus den 80er Jahren zu sehen. Weiterlesen

Fanpost 1:

Fanpost. Die brandneue Rubrik im Blog. In wenigen Sätzen seine Bewunderung für ein Fotobuch ausdrücken!  Hier kommen Buchhändler und Fotografen, Bibliophile, Experten und Nichtexperten zu Wort, um sich als Fans einer Neuerscheinung zu erkennen zu geben. Eine, für die sie ganz besonders schwärmen! Den Auftakt macht die Spezialistin Lia Wolf, die seit Jahren in einem der schönsten Innenhöfe mitten in Wien eine sehr gut sortierte Buchhandlung (Fotografie, Graphik-Design, Raritäten u.a.) betreibt. Alle weiteren Infos unter: www.wolf.at

Ylva Sundgren

Ylva Sundgren: Inga kann älska som vi.

10,30 cm breit, 13 cm hoch – ein kleines weißes, leinengebundenes bibliophiles Büchlein mit einem quadratischen glänzenden Farbphoto auf dem Cover. Eine Frau, gekleidet in einen weißen Bademantel, die dunklen Haare im Nacken zusammengebunden, breitet eine Decke in großer Geste über einem Bett aus. Davor ein Gazevorhang mit zwei bunten Schmetterlingen – ein scheinbar belangloses Bild. Weiterlesen

Torben Höke.
Rented Rooms.

Torben Höke: Rented Rooms

12.6.12 Reisen ist eine Bewegung, die zum Denken führt. Das stammt von dem Schriftsteller Cees Nooteboom, der u.a. für eine Reihe großartiger literarischer Reiseberichte verantwortlich ist. Er ist jemand, der das Reisen als großangelegte Meditation, als eine Suche nach der Stille in der Bewegung begreift: „Vielleicht ist es so, dass der wahre Reisende sich stets im Auge des Sturms befindet. Der Sturm ist die Welt, das Auge ist das, womit er die Welt betrachtet.” Weiterlesen

Fotobücher für alle

Der Digitaldruck hat den Fotobuchmarkt umgekrempelt.
Aber mittlerweile sind auch Echtfotobücher und Inkjet-Produktionen eine Alternative. 

Dieser Beitrag von Markus Linden ist erstmals erschienen in PHOTONEWS Juni 2012. Informationen zum Autor: http://www.markuslinden.de

Das Fotobuch – vor nicht allzu langer Zeit war es den Profis vorbehalten. Und dann auch nur jenen, die einen Verlag fanden, der das Risiko einer Auflagenproduktion auf sich nahm. Denn mehrere Tausend Bücher müssen erst einmal verkauft werden, damit ein Verlag deutlich in die Gewinnzone rutscht. Das Fotobuch wurde so zu einem Qualitätsmerkmal des Fotografen. Denn wer ein eigenes Buch veröffentlicht, kann sich so nicht nur präsentieren, sondern bekommt ein Qualitätssiegel an die Hand, das den ökonomischen Wert der eigenen Arbeit bescheinigt. Wenn ein Verlag den Fotografen publiziert, so muss seine Arbeit auch verkaufbar sein – das ist die Logik hinter dem klassischen Offset-Fotobuch.

Dieser Werbewert des Fotobuchs führt zu der fragwürdigen Situation, Weiterlesen

Aryan Mirfendereski.
I Love Shanghai


Aryan Mirfendereski. I Love Shanghai

23.5.12 Natürlich sprechen einige gewichtige Gründe für Fotobuch-Apps, allerdings überzeugen mich die Inhalte und Form in den allermeisten Fällen nicht. Zwar können vergriffene und hochgehandelte Bücher in dieser Weise wieder verfügbar gemacht werden. Auch gut, dass sich gerade für Debütanten eine kostengünstige Alternative zu der zumeist selbstfinanzierten Druckvariante bietet. Während das Lesegerät bei Texten fest in meinem Alltag verankert ist, goutiere ich Fotobücher lieber in der herkömmlichen Form. Eigentlich will ich das digitale Fotobuch interessant finden, erkenne auch das innewohnende Potential dieses noch jungen Mediums, aber es lässt mich kalt. Vielleicht hab ich nur noch nicht die Bekanntschaft mit der richtigen App gemacht. Als ich dann aber „I Love Shanghai“ von Aryan Mirfendereski aus der MagBook-Reihe von Andreas Magdanz, betrachte, pulverisiert sich jegliche Gleichgültigkeit. Es ist so: Das Buch bläst mich beim Betrachten einfach weg. Weiterlesen

Bieke Depoorter
Ou Menya

Bieke Depoorter. Ou Menya

1.5.12 Jemand, der Ihre Sprache nicht beherrscht, hält Ihnen folgenden Zettel unter die Nase: „Ich suche einen Schlafplatz für die heutige Nacht. Kennen Sie jemanden, der vielleicht ein freies Bett oder Sofa hat? Ich stelle keine großen Ansprüche und meinen Schlafsack habe ich dabei. Ich möchte nicht in einem Hotel übernachten, weil ich wenig Geld habe und weil ich sehen möchte, wie Menschen hier leben. Darf ich bei Ihnen schlafen? Vielen Dank für Ihre Hilfe!“ Und wie reagieren Sie? Weiterlesen

And the Winner is… Zu einem Zeitgeist-Phänomen des Fotobuchmarktes

In der PHOTONEWS-Ausgabe Mai 2012 (Seite 3) erschien nachfolgender Essay von Christoph Schaden, den wir auch Nutzern dieses Blogs zugänglich machen möchten. 

Sogleich zur Testfrage. Was haben eine Berghalde, eine unter Schweinen grassierende Halskrankheit und eine Wegekrümmung gemeinsam? Nun, die Gebrüder Grimm aus Göttingen wussten es noch. Die beiden emsigen Wortfinder und Märchensammler aus dem 19. Jahrhundert erkannten in dem süffisanten Bedeutungsgehege noch eine bindende Sprachwurzel aus dem Altgermanischen nachwirken. Dabei handelt es sich um den „Rank“, so ihr berühmtes Deutsches Wörterbuch. Das Einsilbenwörtlein feiert dieser Tage wieder fröhliche Urständ, sinnigerweise auch auf dem stets noch überhitzten Kleinstsegment des Fotobuchmarkts. Allerdings in Verlaufsform und unter angelsächsischen Vorzeichen. Jawohl, die Rede ist vom Ranking! Kaum ein Weblog, Fachbuchhändler oder Starfotograf mag heutzutage Weiterlesen

Kim Thue
Dead Traffic

14.4.12 Kim Thues fotografische Serie ist in Sierra Leone entstanden – jener westafrikanischen Republik, die einen jahrelangen brutalen Bürgerkrieg erlebte, von dem sie sich bis heute nicht wirklich erholt hat, in der jedes 3. Kind vor seinem fünften Geburtstag stirbt, in der die Lebenserwartung bei Mitte 40 liegt, in der die Rate HIV-Infizierter stetig wächst und 70% der Bevölkerung mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Wenn also ein Buch eine fotografische Arbeit aus einem der ärmsten Länder der Welt präsentiert, springt unmittelbar das eigene Kopfkino an, wird die eigene Elendsvorstellung mit den gelieferten fotojournalistischen Bildern abgeglichen, die in der Regel genau diese Annahmen spiegeln. Nicht so hier! Weiterlesen